Gespensterbäume

 

Der Wald ! Was für ein herrlicher Ort .

Hier konnte man entspannen und gaaanz tief Luft holen .. lmmer wenn ich zur Ruhe kommen und allein sein möchte geh ich in den Wald - so wie heute nach einem stressigen Tag . lch genoß so richtig die Einsamkeit und die Stille . Nur ein paar Vogelstimmen waren zu hören und ab und zu knisterte und knackte es irgendwo .

 

Auf einmal sah ich von weitem etwas - was ich zuerst nicht definieren konnte Als ich näher kam sah ich ein komisches Wesen , das aussah wie ein Wurzelzwerg . ,,Das gibt' s doch nicht ! , entfuhr es mir .

Hatte ich Halluzinationen ?? ,,was glotzt du mich so an ?" sagte der Wurzelzwerg auf einmal . ,, Haste noch nie einen Baumwichtel gesehn ?? Wo willst du überhaupt hin ? ,, ,, lch geh spazieren ! ,, entgegnete ich . ,, Was dagegen ? ,, ,

,Kehr um ! ,, rief der Baumwichtel plötzlich und fuchtelte mit zwei dünnen Zweigen, was seine Arme waren, aufgeregt in der Luft herum . ,

,Dahinten sind Gespensterbäume ! Die packen dich mit ihren langen ,dünnen Ästen und lassen dich nicht mehr los ."

lch zeigte ihm einen Vogel ,, Du willst mich wohl verarschen ! ,, lch ging einfach weiter, ohne den Baumwichtel weiter zu beachten . Das hätte ich lieber nicht tun sollen !!! :

Es wurde auf einmal viel kälter. Kein Vogel war mehr zu hören . Nur eine Eule saß auf einem Ast und starrte mich an . Eine Eule am Tag ? Sehr ungewöhnlich .

Nebel stieg wie aus dem Nichts plötzlich vom Boden auf . Leise Stimmen waren zu hören, ein Raunen und Wispern ,ich konnte aber kein Wort verstehen und wusste auch nicht woher die Stimmen kamen .

Panische Angst ergriff mich !

Hätte ich doch nur auf den Baumwichtel gehört ! Schemenhaft sah ich einen Baum und in seinem Stamm eine häßliche Fratze die mich anstarrte und anfing zu reden : ,, lch krieg dich - ich pack dich ! ,,

 

lch erstarrte zur Salzsäure und konnte mich kaum bewegen . lch war wie gelähmt vor Entsetzen ! Da - noch ein Baum mit Fratze und da noch einer ,, Wir kriegen dich - wir packen dich! l

Du kommst hier nicht mehr raus !! ! ,, Nix wie weg hier ! Dachte ich voller Panik und wollte fliehen . Plötzlich fuhr ein Baum einen dünnen Ast aus und schlang ihn mir um den Hals ,,lch krieg dich - ich pack dich ! ,, zischte der Baum mit einer Stimme die mich erschaudern ließ und fing an höhnisch zu lachen

lch bekam keine Luft mehr und sank zu Boden .........

Als ich wieder zu mir kam, da saß ich vor meinem Bett mit brummendem Schädel .

lch muss mich wohl irgendwo gestoßen haben bei diesem Albtraum . Was träumt man doch für einen Mist .

 

 

© Heike Diehl

               Gespensterbaum

                 Baumwichtel


Fotos: (c) Heike Diehl


 

 

Der Tausch

 

Für wen mach ich das hier eigentlich ? „ seufzte Jennifer und warf ihren Bleistift auf den

Notizblock . Sie saß in ihrem Zimmer am Schreibtisch und hatte gerade ein Gedicht fertig

geschrieben – eins von vielen wofür sich zuhause kein Schwein interessierte .

 

Papa nicht , Mama nicht und ihre beiden älteren Brüder schon gar nicht .

Sie alle konnten mit Fantasie nicht viel anfangen und waren anscheinend viel zu

geerdet „

Nicht dass du noch den Bezug zur Realität verlierst „ hatte ihr Vater gesagt .

Dafür sorgt ihr schon „ hatte Jenny darauf geantwortet und war in ihr Zimmer

verschwunden . Kann man denn nicht wenigstens mal für ein , zwei Stunden in die Welt

der Fantasie eintauchen um den Alltag mal für eine Weile zu vergessen ?

Was ist daran verkehrt ? Gar nichts !

 

Jenny dachte gerade an ihren Opa , den einzigen Poeten in der Familie . Er starb als sie

vier Jahre alt war, das war vor acht Jahren .

Als er starb waren auch seine Gedichte verschwunden und kein Mensch wußte wo sie

geblieben waren. Schien auch niemanden zu kümmern .

Jenny hätte zu gerne Gedichte von ihrem Opa gelesen und er hätte sich mit Sicherheit für ihre

interessiert . Auch ihre Oma zeigte kein Interesse an ihren Gedichten .

Die war eh kaum zuhause und reiste viel in der Welt herum .

 

 

Wie gerne hätte sie von ihrer Familie mal gehört , welches Gedicht schön und welches weniger schön war – aber nichts - null Reaktion und Interesse !

Sie war sehr traurig darüber .

Ob es Opa genauso ging ? dachte sie . Damals war sie noch zu klein und konnte noch keine Gedichte

lesen und jetzt waren sie nicht mehr da – Mist blöder !

 

Jennifer beschloss noch einmal nach draußen zu gehen um frische Luft zu schnappen .

Es war September und zu kühl geworden um abends draußen zu sitzen . Es war Vollmond .

Die Eltern saßen vor der Glotze und ihre beiden großen Brüder , 14 und 16 ,bei Freunden .

 

 

Jennifer schlenderte, mit ihrer Gedichtemappe unter dem Arm geradewegs zu Opas Gartenlaube.

Hier hatte Opa oft gesessen und geschrieben .

Jennifer setzte sich in einen der Korbstühle die in der Laube standen und ließ ihre Gedanken kreisen .

Plötzlich war ihr, als spüre sie einen eiskalten Luftzug, als wenn jemand in einer warmen Stube

ein Fenster öffnete . Wind kam auf und es wurde neblig – so plötzlich , dass es Jenny richtig unheimlich wurde .

Auf einmal sah sie eine Wolke die sich immer tiefer herabsenkte . Immer tiefer und schließlich

auf dem Rasen im Garten landete und auf der Wolke saß ihr Opa – ganz weiß von Gestalt und durchsichtig und hatte ein langes weißes Hemd an .

Das konnte doch nicht sein ! Dachte Jenny und rieb sich die Augen . Träumte sie ?

 

Hallo Jenny „ sagte ihr Opa . „ Groß bist du geworden . Du möchtest also meine Gedichte

lesen ? Das freut mich sehr . Als ich noch lebte , da ging es mir genau wie dir . Ich habe aber niemals den Spaß am dichten nehmen lassen und hab gedacht ihr könnt mich alle mal . „

Jenny starrte immer noch ungläubig ihren Opa an . „ Bist du' s wirklich ? „

Aber ja „ sagte Opa . „ Ich hab was für dich , komm zu mir „ Er überreichte ihr eine

dicke Mappe . Seine Hände waren eiskalt , aber das war Jenny egal . Sie ahnte was sich in der Mappe befand und so war es auch – Opas Gedichte !

Ich werd verrückt ! „ rief sie erfreut . „ Das ist ja , das ist ja - aber woher weißt du ? „

 

Ich kriege da oben alles mit was hier unten so abgeht und jetzt möchte ich gerne deine Gedichte lesen . Ich tausche deine gegen meine „ Glücklich überreichte sie ihrem Opa ihre Mappe .

In der nächsten Vollmondnacht komme ich wieder und sage dir wie mir deine Gedichte gefallen haben und du sagst mir wie dir meine gefallen haben „ Er schlug eine Seite in Jennys Mappe auf .

Wenn die so lustig sind wie das hier – höhööö- hihi – dann geht im Himmel die Post ab und die Engel da oben haben was zu kichern „ „ Denke schon das ihr Spaß haben werdet da oben „ lachte Jenny.

Ich bin schon so gespannt auf deine Gedichte . Ich werde früh zu Bett gehen und werde sie lesen.

Ich freu mich schon so drauf „

Na dann bis in vier Wochen „ sagte Opa . „ Ich muss jetzt schnell wieder hoch , sonst ist das

Himmelstor zu , Petrus nimm das sehr genau und lässt nach neun Uhr niemanden mehr rein .

Also bis dann „ die Wolke erhob sich in die Luft und die beiden winkten sich zu ,

bis die Wolke ganz am Himmel verschwand .

Nun war Jennifer so richtig glücklich und zufrieden und konnte nicht schnell genug ins Bett

kommen , um in Ruhe Opas Gedichte zu lesen .

Ein wenig später hörte sie von ganz oben aus einer Wolke ein Kichern . Jenny schmunzelte .

Anscheinend hatte sich ihr Opa über ihre Gedichte köstlich amüsiert .

 

 

© Heike Diehl

Zeichnung :(c) Heike Diehl


 

 

Amanda   1

 

Kim war so froh , dass sie ihre Sommerferien bei ihren Grosseltern auf Amrum verbringen durfte .

Vor kurzem hatte ihr Opa Ole ein Häuschen auf Amrum gekauft . Er war Kapitän  eines Kreuzfahrtschiffes und genoss jetzt mit Oma Stine das Rentnerleben .

 

Ihre Eltern und ihre grosse Schwester nebst Freund befanden sich gerade auf Malle und darauf  hatte

Die 14jährige Kim überhaupt keine Lust .

Sie liebte den Norden . Den frischen Wind , die Dünen , das Kreischen der Möwen und vor allen Dingen die Insel Amrum mit ihrem herrlichen, feinen , weißen Sand  . Kniepsand würde er hier genannt.

Die Flut hatte eingesetzt und der Wind verpasste den Wellen  weiße Schaumkronen .

 

Es war später Nachmittag  und Kim beschloss zum Haus ihrer Grosseltern zurück zu geh'n. 

Seit Mittag war sie schon am Strand , war durch die Dünen gewandert und hatte am Strand Muscheln gesucht . Am Abend würde sie  mit Opa Ole am Kamin sitzen und er erzählte ihr wieder  eine spannende Geschichte , meistens von Gespenstern  . Oma Stine saß dabei und strickte .

 

Kim faszinierte das Wattenmeer . Wie herrlich muss es aussehen wenn der Vollmond scheint 

dachte sie bei sich . Heute abend war Vollmond und die Ebbe setzte kurz vor Mitternacht ein.

Daran musste Kim denken ,als sie am Abend im Bett lag.

Sie wollte es unbedingt  einmal sehen und war fest entschlossen einen nächtlichen  Spaziergang durch die Dünen zu machen , um  das Wattenmeer bei Mondschein zu erleben .

Nur durften  Opa und Oma nichts davon wissen . Beide hatten einen tiefen Schlaf und würden sicher nicht merken sie sich aus dem Haus schleicht. Das Fenster von Kims Zimmer befand sich hinter dem Haus . Schließlich schlief Kim ein .

 

Als sie erwachte war es halb zwölf.  Sie stand auf , zog sich an und kletterte aus dem Fenster .

Dann machte sie sich auf zum Strand .

Hell schien der Vollmond und verlieh dem Dünengras einen silbernen Schimmer .

Es sah wunderschön aus . Nach einer Weile erblickte sie  den Strand  und das Wattenmeer - vom  Vollmond hell erleuchtet und Kim war es , als hätte jemand Goldstaub  ins Watt gestreut .

Es war ein herrlicher Anblick und Kim war wie verzaubert .

Auf einmal hörte sie jemanden singen . Die Stimme kam aus dem Wattenmeer und klang ziemlich traurig - irgendwie schaurig .

Plötzlich erblickte Kim eine weisse Gestalt - eine Frau im weissen Kleid und ihr langes ,

weißes Haar  wehte im Wind . Sie schien über das Watt zu schweben und das Mondlicht schien durch sie hindurch - sie war durchsichtig - ein Geist !

Kim gefror das Blut in den Adern und sie konnte sich nicht rühren .

Ganz tief  duckte sie sich ins Dünengras , damit die Geisterfrau sie nicht entdeckte .

 

Da erinnerte sich Kim an eine Geschichte , die ihr Opa  Ole  vor einiger Zeit erzählt hatte .

Sie handelte von einer gewissen Amanda , die vor einigen Jahren im Watt ertrunken war und später

als Geist  herumspuken sollte , aber nur in Vollmondnächten . Keiner hatte daran geglaubt . Auch Kim nicht .

Nun hatte sie einen leibhaftigen Geist gesehen- eine Geisterfrau .

So plötzlich   wie die Gestalt auftauchte , so schnell war sie auch wieder verschwunden und auch ihr Gesang verstummte .

 

Noch eine ganze Weile verharrte Kim im Dünengras und konnte einfach nicht glauben was sie gesehen  hatte .

Kurze Zeit später ging sie  zum Haus zurück , kletterte zum Fenster rein und legte sich auf ihr Bett. Lange blieb sie noch wach .

Ihr Blick fiel auf das Fenster und sie dachte Amanda würde zum Fenster hereinschauen  ,

aber es tat sich nichts .

Irgendwann fiel sie in einen tiefen Schlaf .

 Kim beschloss  keinem Menschen davon zu erzählen . Es würde ihr sowieso keiner glauben .

 

(c) Heike Diehl 

 

 

 


 

Amanda 2

 

Seit ihrer Begegnung mit Amanda war Kim von einer inneren Unruhe befallen .

Amanda ging ihr nicht mehr aus dem Kopf . Sie war einem leibhaftigen Geist begegnet -

Wahnsinn !!!   Opa Ole hatte ihr zwar Geistergeschichten erzählt , glaubte aber

selber nicht an Geisterspuk und hielt das alles für Tünkram , so wie er es nannte .

 

Kim blieb jedenfalls dabei und erzählte niemandem von ihrer nächtlichen Begegnung und ließ

sich auch beim gemeinsamen Frühstück mit den Großeltern nichts anmerken .

Jedenfalls beschloss sie in der folgenden Nacht noch einmal zum Strand zu gehen . Sie war gespannt

ob Amanda wieder erschien .

Kurz vor Mitternacht machte sich Kim  auf den Weg .

Das Wattenmeer glänzte  im Mondlicht , genau wie gestern . 

Kim duckte sich ins tiefe Dünengras, doch von

Amanda war  nichts zu sehn .

Aufeinmal spürte Kim einen kalten Luftzug hinter sich und da stand sie - vielmehr schwebte

über dem Boden - Amanda !  Weiß und durchsichtig. Maßloses Entsetzen ergriff Kim .

War sie ein böser Geist, der sie in ihren Bann ziehen wollte ? Kim konnte sich nicht rühren.

" Ich tu dir nichts " wisperte Amanda .  " Bitte hilf mir !  Bitte !!! "

Kim war zunächst wie gelähmt  . doch  Amandas  trauriger Gesichtsausdruck erzeugte bei Kim 

tiefes Mitgefühl und das Entsetzen und die Angst vor ihr traten in den Hintergrund .

"Wie kann ich dir helfen ? " fragte Kim .

" Ich litt zu Lebzeiten unter Schlaflosigkeit . Ruhelos bin ich herum gewandert .

Einmal hab ich mich im Watt verirrt und bin  schließlich ertrunken . Selbst im  Tod finde ich

keine Ruhe . Du müsstest Weihrauch und Myrrhe anzünden . Den Rauch werde ich

einatmen und dann für immer verschwinden und endlich den ewigen Frieden finden .

Willst du das für mich tun ? Bitte , Kim ! "

"Ich tu's ! " sagte Kim entschlossen . " Morgen Nacht werde ich hier sein .

Ich helfe dir " .

"Danke " hauchte Amanda . Sie schwebte davon und verschwand im Watt .

 

 

Kim wusste genau , wo sie Weihrauch und  Myrrhe bekam - in Eddas Hexenhäuschen-

ein kleiner Kräuterladen im Dorf .

Gleich am nächsten Morgen machte sich Kim auf den Weg zu Eddas Hexenhäuschen .

"Willst du böse Geister vertreiben ? " fragte die alte Edda scherzhaft , als sie Kim

die Dosen mit dem gemahlenen Weihrauch und der gemahlenen Myrrhe einpackte .

"Ich wills mal probieren , einfach so zum Spaß " sagte Kim nur .  Von Amanda kein Wort .

Edda würde glauben dass sie spinnt .

Am Abend ging Kim früh schlafen und stellte den Wecker auf halb zwölf .

Als er rasselte war Kim schon wach , so aufgeregt war sie .

Sie packte die beiden Dosen , ein feuerfestes Gefäß und Streichhölzer in ihren Korb und

machte sich auf den Weg .

Diesmal war der Mond hinter einer Wolke verschwunden und das Watt sah so richtig gespenstisch aus .Kim setzte sich an den Rand des Wattenmeeres . Sie schüttete den gemahlenen Weihrauch und

die Myrrhe in das feuerfeste Gefäß und zündete es an . Boah - was für ein Gestank !!!

Kim hielt sich die Nase zu .

Plötzlich erschien Amanda  . Sie atmete den Rauch  ganz tief ein .  Nach einer Weile huschte plötzlich ein Lächeln über ihr sonst so trauriges Gesicht .  " Danke ! " hauchte sie Kim zu .

Dann begann sie immer mehr sich in eine Wolke zu verwandeln und plötzlich sah Kim nur noch eine

Nebelwolke über das Watt schweben , die immer höher stieg .

Lange blieb Kim  noch da stehen . Sie konnte noch gar nicht richtig begreifen was sie

hier erlebt hatte .

"Was in aller Welt machst du hier ? "   Die Stimme von Opa Ole ließ sie herum fahren .

"Mensch Opa ! Hast du mich erschreckt ! " meinte Kim .  " du hast mir so viele Geistergeschichten

erzählt , da wollte ich mal ausprobieren wie man Geister vertreibt . Könnte doch sein , dass

hier welche rum spuken . "  Ich seh hier nur ein Gespenst und das ist ziemlich lebendig "

sagte Opa Ole und schmunzelte . " Ideen hast du .  Nachts hier in den Dünen rum laufen !

Ich hab dich weg gehen sehen und als du nicht gleich zurückkamst da  hab ich mir Sorgen

gemacht . Oma Stine hat einen tiefen Schlaf , sie hat nix mit gekriegt .

Nu aber ab nach Hause " . Die beiden traten den Heimweg  an .

Opa Ole drehte sich noch einmal um und blickte zum Wattenmeer. Er erblickte die Nebelwolke .

" Siehst du , Kim . Seenebel steigt auf . Der ist gefährlich . Da hat sich schon so mancher

verirrt und ist ertrunken . "

Kim lächelte nur . Sie wusste es besser .  Amanda hatte endlich ihren ersehnten Frieden gefunden .

 

(c) Heike Diehl


 

 

 

 

Nieswurz Wegerich

 

Oh Oh ! - Wo soll ich bloß anfangen ? dachte ich , als ich das viele Unkraut in unserem Garten sah . Tagelang hatte es geregnet und das Unkraut war in die Höhe geschossen und hatte sich noch allen Seiten ausgebreitet .  Die Blumenbeete glichen einem Dschungel und bevor die Blumen und das Gemüse vor lauter Unkraut verschwanden , musste ich es schnell entfernen  .

Ich machte mich mit Eimer und Harke bewaffnet und wenig Lust, endlich daran die Blumen von dem lästigen Unkraut zu befreien  . Gerade hatte ich einen Büschel Löwenzahn in der Hand und wollte ihn ausreißen , als plötzlich eine krächzende Stimme rief : " Heee ! Lasst du dos stehen ! ,,

Himmel war ich erschrocken !  Ich ließ den Löwenzahn los und blickte mich um , sah aber niemanden. Fing ich an bekloppt  zu werden ? " Wer hat das gesagt ? ,,  fragte ich und mir wurde irgendwie komisch zumute ." Hier unten bin ich, vor dir !,'rief jemand. Ich blickte nach unten und da sah ich etwas , was ich vorher noch nie gesehen hatte :

Es war ein schrumpliges , braunes Etwas auf kurzen , krummen Beinen und großen Füssen.

Ein Troll ? Ein 6nom ? Irgendso etwas musste es sein " Wer bist du denn ?,'fragte ich . " Ich bin Nieswurz Wegerich , der Beschützer des Unkrauts . Ich bin ein Wurzelgnom und lebe tief unter der Erde und ich liebe jedes Unkräutchen .   Ich habe alles selber gepflanzt. Wenn du es ausreißt verwandele ich dich in einen Gartenzwerg . Gartenzwerge find  ' ich blöd !
Hohlköpfe sind das - Hohlköpfe !  ,, " Ich mag sie " verteidigte ich meine  vier Gartenzwerge , die in unserem Garten standen : Den lachenden Willi , den grinsenden Toni, Kasimir mit dem Blumenstrauss und den schnarchenden Rüdiger . "'Du mich in einen Gartenzwerg verwandeln - hahaaa- da lachen ja die Hühner ! ,, sagte ich zu ihm . "Oh doch !Das kann ich l" rief Nieswurz trotzig und ballte drohend die Faust.

"6laub ihm nicht " sagte plötzlich eine Stimme  . " Wer ist denn das schon wieder ? ,, fragte ich und sah mich um.  Es war eine Elster, die auf einem Kirschbaum  saß und alles mit angehört hatte .

"Ich heiße Klaudia . Kommt von klauen . Wir Elstern leiden unter Kleptomanie musst du wissen . " Nieswurz war über das Auftauchen der Elster alles andere als erfreut. " Was willst du denn hier !? Mach dass du wegkommst ! " "Ich kann sitzen wo ich will l" meinte die Elster beharrlich .

" Jedenfalls kannst du  nicht zaubern, genauso wenig wie ich - du verschrumpelte Kartoffel auf  zwei Beinen ! Da nahm Nieswurz einen Knäul Dreck und schleuderte ihn in Richtung Klaudia , die dem Wurfgeschoß geschickt auswich und einen Ast höher flog . "Du hast mich nicht getroffen !

Du bist ja besoffen - tschäck tschäck tschäck ! ,, Die Elster lachte den 6nom aus .

"Ob es dir passt oder nicht , ich werde jetzt das Unkraut entfernen  ,, sagte ich entschlossen und riß einen großen Büschel Löwenzahn mit samt der Wurzel aus . Nachbars Hasen werden sich freuen.

 

Da stieß Nieswurz einen fürchterlichen Wutschrei aus:" Aaaaaaah !!! Du alte Petze !l Der Teufel soll dich holen , du verdammte Elster ! " Dann versank er in der Erde und ließ sich nicht mehr blicken . Klaudia , die Elster ,ließ sich inzwischen  die Kirschen schmecken , die in Massen am Baum hingen.

Ich musste mich beeilen mit dem Unkraut jäten , denn es sah noch Regen aus und ich

schaffte es noch rechtzeitig .

Zehn Minuten später goß es wie aus Kübeln.

So ein paar Unkräutchen hab ich ober stehen gelassen - Nieswurz zuliebe

 

(c) Heike Diehl

Zeichnung:(c) Heike Diehl


 

 

 

 

Das Musenmädchen

 

 

 

 

 

Es war ein herrlicher Frühlingstag . Blauer Himmel wohin man sah und die Sonne meinte es wirklich gut .

Bienen , Hummeln und  Schmetterlinge tummelten sich auf den Blumen in unserem Garten und es war für mich ein Genuss und und eine wahre Freude sie zu beobachten .

Ich hatte es mir, mit einem Cappuccino und ein paar Keksen bewaffnet, auf unserer Terrasse gemütlich gemacht und las .

Irgendwie hatte ich auch Lust mal ne Geschichte zu schreiben - nur über was ?? Einen Krimi ?

Och nee - lieber nicht ! Es gibt schon so viel kriminelles auf der Welt und das Fernsehen müllt uns förmlich zu mit Krimiserien . Eine Liebesgeschichte ? Gibt' s auch schon massenhaft:

Rosamunde Pilcher , Inga Lindström , Uta Danella und wie sie alle heißen

Ich nahm mir einen Notizblock und ließ meine Gedanken kreisen . Ein Märchen vielleicht ?

Jo - warum denn nicht ? Also schrieb ich : Es war einmal ein König der hotte zwei Töchter ............blablablaaaa...............Ein alter Hut .
Reißt keinen mehr vom Hocker. Science Fiction ist nicht so meine Welt oder Storys von Aliens und schleimigen , grünen Monstern . Genauso wenig Horror mit viel Blut und häßlichen Fratzen .

Ach Mensch ! Ist schon ziemlich blöd wenn man gerne etwas schreiben möchte und weiß nicht über was .

Ich war so in Gedanken versunken  , dass ich den seltsamen 6ast nicht bemerkte , der plötzlich auf dem Rand des Blumenkastens saß, der auf dem Fenster stand . "Du siehst nicht gerade glücklich aus " sagte  eine piepsige Stimme . Ich drehte mich um und konnte es kaum glauben: Da saß doch tatsächlich ein klitzekleines Mädchen , welches nicht größer war als meine Hand , auf dem Rand des Blumenkastens und blickte mich mit großen Kulleraugen neugierig an. "Wer bist du denn? " fragte ich die Kleine . " Ich bin das Musenmädchen .  Meine Oma ist die Muse , die kennst du doch bestimmt . Ich komme  immer zu Menschen , denen es  an Ideen fehlt zum Schreiben und du siehst mir so aus, als könntest du meine Hilfe  gebrauchen . " " Na und ob ! " rief ich begeistert und fing  an die Kleine zu mögen 

Ihr Kopf glich einer  Glühbirne , der auf einem ziemlich dünnen Hals saß. Spindeldürr war sie , aber dafür hatte sie große Füße und Hände .  Sie trug ein pinkfarbenes T-shirt , eine hellblaue Hose und gelbe Turnschuhe und auf  ihrer kleinen Knollennase tummelten sich unzählige Sommersprossen .

Ihr Haar war strohblond und sie hatte es in zwei lustige kleine Rattenschwönze gebunden .

Ich fand sie einfach niedlich .

"Liebe, Krimis und Horror hast du ja schon ausgeklammert ,, bemerkte das Musenmädchen .

" Wenn du ein Märchen schreiben willst , musst du ja nicht unbedingt über Könige und Prinzessinnen schreiben . Im Märchen ist alles möglich und du kannst deiner Phantasie freien Lauf lassen . "

" Es gibt aber schon so viele Märchen " entgegnete ich . " Ich möchte gerne etwas schreiben was es noch nicht gibt . Das ist nicht so einfach und damit steh ich nicht alleine . " !'Wie recht du hast " seufzte das Musenmädchen . " Ich hatte heute schon zehn Leute und jedem von ihnen konnte ich

helfen und dann schaff ich das bei dir auch . So blöd siehst du nämlich gar nicht aus . "

"Oh - danke für die Blumen !" lachte ich. " Sowas baut auf ,, .

 

,,Ich weiß was ! Ich weiß was -hihihihiii ! " rief das Musenmädchen fröhlich und hopste auf dem Blumenkasten herum . " Trampel mir nicht meine Blumen platt  " meinte ich nur . "Dann verrate mir doch mal was du weißt " Ich war neugierig . Die Kleine sagte : ,, Warum schreibst du nicht einfach eine Geschichte über mich - einfach das was du gerade erlebt hast - frei Schnauze und ohne viel Schnick Schnack - versuch's doch einfach mal . Vielleicht gefällt es ja ein paar Leuten und wenn nicht dann ist das auch nicht tragisch . Es gibt immer welche die n allem was meckern haben .

Lass sie doch ! Hauptsache du hast deinen Spaß .

Na wie sieht ' s aus ? ,,  Ich fand das genial . " Mensch , das ist ne super Idee ! " rief ich begeistert aus . ,, Genau das werde ich auch tun.  Ich danke dir. du warst mir ne echt große Hilfe."

"Ist doch  mein Job " meinte das Musenmädchen bescheiden . " Tschüß - bis wiedermal " .

Plötzlich war sie verschwunden . Schade ! Ich hätte gerne noch ein wenig mit ihr geplaudert .

Also fing ich an das Erlebte aufzuschreiben und so kam diese Geschichte zustande.

Vielleicht kommt das Musenmädchen jo auch mal zu dir - wer weiß...

 

(c) Heike Diehl


 

 

Oskar, der Maikäfer

Oskar, der Maikäfer, hockte auf einem Buchenblatt und machte ein finsteres Gesicht. Seine Fühler hatte er nach unten geklappt. Das tat er immer, wenn er schlechte Laune hatte.
Da kam Knolle, der Kartoffelkäfer vorbei.
„Na, was issen mit dir los?“, fragte er, als er Oskar sah.
„Meine Olle hat mich rausgeschmissen“, sagte Oskar missmutig. „Ich bin beim Rundflug bei den Menschen in ein Glas Maibowle gefallen, konnte mich aber selbst wieder befreien. Ich hatte aber so viel Maibowle geschluckt und wurde total besoffen davon. Meine Olle glaubt jetzt, ich hätte es freiwillig gemacht und nennt mich einen Säufer, die alte Beisszange! Ich geh nicht mehr nach Hause – die kann mich mal! Kann ich ein paar Tage bei dir wohnen, bis ich was Passendes gefunden habe?“

Tja – ähm – weißt du“, stammelte Knolle herum, „bei uns zuhause ist es ziemlich eng und außerdem hat meine Frau nicht so gerne Gäste – sorry!“
„Sowas nennt sich Freund“, sagte Oskar enttäuscht.
„Tut mir echt leid für dich“, sagte Knolle.
„Spar dir dein Gesülze, du blöder Ami-Import! Hau bloß ab!“
Knolle schlich davon, ohne sich nochmal umzudrehen.

Plötzlich hörte Oskar jemanden singen:
„Ich rolle meinen Mist
weil’s mir ne Freude ist.
Rolla Rolla Rolla Roll
ich finde das so toll – jawoll!“

Der Mistkäfer, auch Pillendreher genannt, war im Anmarsch. Sein Name war Stinkie Müffel.
Als er Oskar erblickte fragte er: „Na, was machst denn du für’n Gesicht – Krach mit deiner Ollen?“ „Woher weißt du das?“, fragte Oskar.
„Vermutung! Nur Vermutung!“, rief Stinkie . „Also doch. Mach dir nix draus, die regt sich schon wieder ab.“
„Nee, nee – ich geh nicht mehr nach Hause, es ist endgültig aus. Kann ich ne Weile bei dir wohnen?“
Stinkie Müffel zog ein Gesicht. „Bei mir zuhause ist sooo viel Mist und außerdem stinkt es da zu sehr. Meine Familie und ich sind es ja gewöhnt, aber anderen können wir das nicht zumuten.“
„Versteh schon.“ Oskar war wieder enttäuscht. „Du bist auch nicht besser als Knolle. Nimm deinen Mist und verschwinde und werde selig mit deinem Gestank.“
„Gott, bist du empfindlich, “ meinte Stinkie, rollte die Augen und seine Mistkugel fort.
„Tolle Freunde“, seufzte Oskar. „Ist man in Not, dann lassen sie einem im Stich.“

Hallo Oskar!“ sagte plötzlich ein feines Stimmchen. Die Stimme kenn ich doch, dachte Oskar bei sich und blickte sich um.
Tatsächlich! Es war Mariele Siebenpunkt , das Marienkäfermädel, in das Oskar schon lange heimlich verschossen war .
„Ich hab alles mit angehört“, sagte Mariele . „Du kannst bei mir wohnen so lange du willst.“
„Echt jetzt?“ rief Oskar erfreut und bekam ganz rote Backen.
„Wenn ich es dir sage“, meinte Mariele. „Ich mag dich nämlich sehr.“
Oskar wohnte von nun an bei Mariele und die beiden blieben für immer zusammen.
Man nennt die Marienkäfer nicht umsonst Glückskäfer – oder was meint ihr?

                                    

 

(c) Text und Foto : Heike Diehl