Schock im Turm

 

Der König sprach zu seinem Sohn :

„ Friedrich – Wilhelm , weißt du schon

von eines Königs Töchterlein ,

voller Schönheit soll sie sein .

Schläft in dem Turm seit hundert Jahr ,

glaub mir das ist wirklich wahr . „

Da sagt der Prinz : „ Ich will sie sehn

und zwar jetzt gleich , ich werd ' jetzt gehen „

 

Er sattelt dann sein Pferd sofort

und reitet zum besagten Ort

und er rennt – japs – hechel – schnauf -

die Treppe zu dem Turm hinauf .

 

Was musste Friedrich – Wilhelm sehn ?

Dornröschen ! Die war nicht mehr schön !

Aschfahl ,steinalt und faltenreich !

Der Prinz der wurd ' vor Schreck ganz bleich !

 

Verließ den Turm vor lauter Schreck ,

sprang auf sein Pferd – schon war er weg !

Das Alter macht vor keinem Halt !

Auch Königstöchter werden alt .

 

Foto : (c) Heike Diehl


 

Die Poetin im Turm

 

Im Turm bei trüber Funzel

saß eine Frau , sie hieß Rapunzel .

Sie war Schiller Fritzens Nichte

und schrieb jeden Tag Gedichte .

In dem Turm da wollt sie bleiben

und jeden Tag Gedichte schreiben .

 

Ein Prinz der hörte von dem Turm

ritt eines Nachts bei einem Sturm

zum Turm hin , wollt Rapunzel sehn

und dacht' : Die ist bestimmt sehr schön 

mit so schönen langen Haaren

und so herrlich jung an Jahren.

 

doch wer an Märchen glaubt der irrt !

Der Königssohn war ganz verwirrt.

Er konnt' s nicht fassen , der arme Tropf,

am Turmfenster erschien ein Kopf .

Ne Frau mit Streichholz kurzen Haaren

und nicht mehr so ganz jung an Jahren .

Sie rief dem Prinz von oben zu :

" Hau ab und lass mich bloß in Ruh !

 

Mein Haar , das hab ich abgeschnitten,

ich habe unter Spliss gelitten .

du blöder Kerl zieh endlich Leine -

blitzschnell - sonst mache ich dir Beine ! "

Der Prinz rief nur noch : " Blöde Ziege ! "

sprang auf sein Pferd und macht die Fliege .

 

Das ist schon viele Jahre her

und an den Turm dacht keiner mehr .

Eines Nachts bei einem Sturm-

ein Uhu der flog in den Turm .

Im Zimmer ein Skelett er fand

mit einem Füller in der Hand .....

 

 

 

Text und Foto: (c) Heike Diehl


 

 

 

 

Das Käsehaus

 

In einem tiefen , dunklen Wald

 haust eine Ratte , ziemlich alt .

Sie lebt in einem Haus aus Käse

und war durchweg bitterböse .

 

Sie baute dieses Käsehäuschen

um anzulocken kleine Mäuschen .

Dann kochte sie sich Rattatui ( Ratatoullie )

gespickt mit kleinen Mäuschen - pfui !!!

 

Eines Tags begab es sich ,

zwei Mäuschen die verirrten sich .

Mäusebub und Mäusemädchen ,

der Hansi und das schlaue Gretchen .

 

Sie kamen an dem Häuschen an .

" Hansi , geh da bloß nicht dran !

Da ist was faul , ich spür' s genau ! "

so sprach das Gretchen - es war schlau .

 

Bums ! - da öffnet sich die Tür ,

raus kam das böse Rattentier :

"Kommt ihr Mäuschen , kommt herein !

Will wie ne Mutter für euch sein . "

 

Das Gretchen das war auf der Hut

und sagt zur Ratte , voller Wut :

"Das kannst du glatt vergessen !

kannst deinen Käse selber fressen .

 

Du fieses Tier , du Monster du !

Hau ab und lass uns bloß in Ruh !

Was bist du für ein scheußlich Wesen !

Grimms Märchen habe ich gelesen .

 

Die Hexe die war so gemein !

Die Kinder fielen auf sie rein .

Wir sind nicht so blöd wie die .

Du Mistvieh kriegst uns beide nie ! "

 

Da wurd ' die Ratte bitterbös '

und fraß auf den ganzen Käs ' 

Die Ratte die war wie besessen

und hat sich schließlich überfressen .

Mit ihrem dicken Käsebauch 

da fiel sie um und starb dann auch .

 

Hansi und das Gretchen liefen

schnell aus dem Wald heraus , dem tiefen .

Fanden dann vor lauter Glück

ganz schnell den Weg nach Haus zurück .

 

 

Die Eltern war' n ganz aus dem Häuschen,

als sie erblickten ihre Mäuschen .

Hätt ' Gretchen nicht soviel gelesen ,

dann wären beide tot gewesen .

 

Text und Bild : (c) Heike Diehl


 

 

 

Frau Holle und der Sommer


,,Was für eine Hitze! ", stöhnte Frau Holle , als sie den Fensterladen ihres kleinen Häuschens öffnete, das auf einer Wolke stand . Es war Mitte Juli und sie musste noch lange warten , bis sie endlich wieder ihre Betten schütteln durfte . Wieso eigentlich warten ? dachte sie bei sich.

Schnee im Sommer ? Warum denn nicht - mol was anderes und so mancher ist bestimmt dankbar

über eine kleine Abkühlung.

Frau Holle drückte den Hebel ihres riesengroßen Thermometers noch unten und schon sanken die Temperaturen rapide noch unten . ,,Was nützt der Schnee ,wenn er nicht liegen bleibt ,, meinte

Frau Holle . Die Temperatur sank bis unter Null . Jetzt holte Frau Holle all ihre Kissen heraus und stapelte sie auf ihrem Fensterbrett.

Dann begann sie jedes einzelne kräftig zu schütteln und die Federn wirbelten nur so herum-

bis auf die Erde hinunter . Auf einmal kam der Sommer  . Er sah aus wie ein Märchenprinz und war aus purem Gold . Doch diesmal verwandelte sich das Gold in glühende Lava- so zornig war er .

" Sag mal  ist dein Gehirn eingefroren? Du hast sie doch nicht mehr alle !!" ,,Ich dachte eine kleine

Abkühlung bei der Hitze könnte nicht schaden"sagte Frau Holle nur

und blies dem Sommer eine volle Ladung Schnee mitten ins Gesicht. " Pfui - bääh !" rief der Sommer angewidert. " Dieses eklige kalte Zeug ! Mach das ja nicht nochmal , du alte Schneeeule !

"Frau" Holle lachte den Sommer aus und blies ihm nochmal eine volle Ladung Schnee ins Gesicht.

Der Sommer platzte vor Zorn und stieß lauter Funken und Blitze aus.

Er saß auf einer Wolke . Die wurde pechschwarz und stank nach Schwefel .Er ließ es blitzen und donnern. Schwül wurde es plötzlich und der ganze Schnee begann zu schmelzen.

Huch !"., entfuhr es Frau Holle. Sie hatte große Angst vor Gewitter . Schnell holte sie ihr Bettzeug herein klappte den Fensterladen zu und ließ sich nicht mehr blicken .

Der Sommer wurde so langsam wieder golden und sein Zorn verrauchte. " Na also - geht doch "

sagte er nur.

Er schickte eine ladung Regen über das Land und ließ anschließend wieder die Sonne scheinen.

Es wurde ein wunderschöner Sommer - bis September . Dann hielt der Herbst Einzug mit all seinen herrlichen bunten Farben.

Frau Holle hatte begriffen dass jetzt der Sommer herrschte und sie mit ihrem Schnee noch eine Weile warten und dem Herbst den Vortritt lassen musste .

Seitdem gab es kein Zusammentreffen mehr zwischen dem Sommer und Frau Holle -

die beiden gingen sich nämlich aus dem Weg.

 

(c) Heike Diehl