Foto : (c) Klaus Enser Schlag

 

 

 

Geisterstunde

 

Mitternacht, Du Geisterstunde
wenn mein Herz oft angstvoll schlägt,
gibst mit hohler Stimme Kunde
die ein Mensch nur schwer erträgt.

Hör' Dein Raunen, hör' Dein Wispern
und ein Rabe krächzt dazu.
Und dies eigenart'ge Knistern
lässt mir einfach keine Ruh'.

Da! Die Schatten an den Wändern
reih'n sich ein zum Geistertanz.
Winken mir mit bleichen Händen
in den Mondes fahlem Glanz.

Und an meines Bettes Kante - 
Angst schnürt mir die Kehle zu -
steht die längst verstorb'ne Tante!
Singt von Tod und Grabesruh'.

Danach will sie mich berühren,
Schicksal nimmt nun seinen Lauf.
Will ins Jenseits mich entführen - 
Schweißgebadet wach' ich auf.

Oh, Ihr geisterhaften Nächte,
wie real ist euer Spiel!
Und mit diesen Zaubermächten
kommt Ihr stets an Euer Ziel.

 

© Klaus Enser-Schlag, 2014

 

 


Das fröhliche Skelett

 

Ich sitze vor dem Mausoleum
und klapp’re lustig vor mich hin.
Es riecht verwest – ich scher‘ mich nicht drum,
frag‘ nicht mehr nach des Lebens Sinn.

Das Leben ist ein kurzes Gastspiel,
verglichen mit der Ewigkeit.
Man schuftet und erwartet sehr viel
und tut sich oftmals selber leid.

Hier herrscht seit langem tiefe Stille,
der Friedhof ist mein Paradies.
Der Abschied war mein eig’ner Wille,
die schnöde Welt ich gern verließ…

Der große Engel vor dem Grabe,
so schlicht und still – aus weißem Stein –
der hat die göttlich-schöne Gabe
wie ich lebendig nachts zu sein…

Dann plaudern wir über das Leben,
den Hass, die Liebe und den Tod.
Er hat mir Licht und Trost gegeben,
viel mehr als Hunger, Krieg und Not!

Der Morgen naht – ich geh‘ nun schlafen,
doch vorher bete ich für Dich.
Mich kann kein Unglück mehr bestrafen,
Du wirst’s erfahren – sicherlich…

(c) Klaus Enser Schlag


 

 

Die Krähe

 

Als ich einst zu später Stunde
den Gedanken trüb nachhing,
kam mir seufzend aus dem Munde:
„Was ist nur des Lebens Sinn?“

Trost konnt‘ nur die Nacht mir bringen,
denn der Tag war mir verhasst,
hörte Geisterstimmen singen,
Lebensfreude war verblasst…

Und mein Herz war krank vom Bangen,
die Gedanken schwer wie Blei,
Schwermut nahm mich jäh gefangen,
doch dies war mir einerlei…

Da vernahm ich jäh ein Pochen,
schaurig klang es in die Nacht.
`s war, als ob ein Fingerknochen
klopfte mit der Hölle Macht.

Und ich sah vor meinem Fenster
flatterte es immerzu.
Waren es gar die Gespenster
die mir raubten jede Ruh‘?

Da! Schon wieder jenes Klopfen
und das Haar stand mir zu Berg!
Wollte mir die Ohr’n verstopfen,
mitternächtlich‘ Teufelswerk!

Fenster wurde aufgerissen!
Wähnte mich in bösem Traum
und gleich einem Schwarm Hornissen
flog ein Vogel in den Raum!

Pechschwarz glänzte sein Gefieder,
eine Krähe saß vor mir!
Mir erstarrten alle Glieder,
war dies Teufels-Elixier?

Und mein Herz begann zu beben,
als die Krähe zu mir sprach:
„Warum hast Du Angst zu leben?
Warum liegt Dein Mut so brach?“

Und wir sprachen über Liebe,
die ein Herz mit Mut erfüllt,
über Laster, Lust und Triebe,
welche Prüderie verhüllt…

Schwarzer Vogel, spreche weiter!
Du bist wirklich äußerst klug.
Sei mein weiser Wegbereiter,
davon krieg‘ ich nie genug!

Jede Nacht zur Geisterstunde
kommt sie seither zu Besuch
und die Weisheit ihrer Kunde
steht in meinem Tagebuch…

(inspiriert durch Edgar Alles Poe’s Gedicht „Der Rabe“) 

(c) Klaus Enser Schlag


 

 

Blackmoore Castle - das Gruselschloss

 

Die Standuhr schlägt – s’ist Mitternacht

Sir John ist plötzlich aufgewacht.
Er schaut im Zimmer hin und her,
da gellt ein Schrei! Er schlottert sehr…

Dann stürzt er auf den Flur hinaus,
im Dunkeln sieht der schrecklich aus.
Da! Eine Frau im weißen Kleid!
Es ist Mylady Taylor-Blight!

Doch die starb 1807!
Man hat ihr Giftmord zugeschrieben.
Da hat man sie sich vorgeknöpft
und Lady Taylor-Blight geköpft…

Den Kopf trägt sie nun unterm Arm,
Sir John wird es mal kalt, mal warm,
greift sich ans Herz und schreit laut auf,
dann endet rasch sein Lebenslauf.

Da lacht der „Geist“ und freut sich sehr:
Der alte Spießer ist nicht mehr!“
Dann schüttelt sie den blonden Zopf,
denn sie trug – einen Kürbiskopf!

Denn Lady Jane war es längt leid,
die Frau zu sein von Sir John Hyde.
Der Geizhals störte sie schon sehr,
denn Butler James gefiel ihr mehr.

Sie fällt ihm glücklich um den Hals
und wird – aufgrund des Todesfalls –
sehr reich und damit attraktiv,
bekommt so manchen Liebesbrief.

Und dann, nach einer Liebesnacht,
hat sie den Butler umgebracht.
Der wusste schließlich viel zu viel,
für Jane stand zu viel auf dem Spiel.

Nach James kam Henry, dann der Tim
Mylady, Ihr seid wirklich schlimm!
Zur Zeit hat sie einen Bankier
und trinkt mit ihm den 5-Uhr-Tee…

Der Mörder ist der Butler? Nein!
Auch „Ladies“ sind oft sehr gemein.
Mit Vorsicht sind sie zu „behandeln“,
weil sie sich schnell in „Gift“ verwandeln…

 

(c) Klaus Enser  Schlag

Hier musste das Braunfelser Schloss Modell stehen .


Ansichten eines Totenschädels

 

Ich träumte heute früh um vier,

ich stand vor einer Pforte.
Ein Totenschädel sprach zu mir,
ich hör noch jetzt die Worte:

Auch ich trug einmal Bart und Zopf,
wie Du heut‘ trägst auf Erden…
Was ich jetzt bin – ein Totenkopf –
Auch Du wirst einer werden…

Die Jahre gehen schnell vorbei,
da hilft kein bitter klagen.
Drum leb Dein Leben – einerlei –
was Andre drüber sagen…

Ich frönte nie der Eitelkeit,
dacht‘ nicht an Geld und Zinsen
und kann deshalb voll Heiterkeit
als Totenkopf noch grinsen…

Und hast Du dann, mein lieber Klaus,
den Todesduft gerochen – 

am Schluss siehst Du wie jeder aus:
Ein Schädel, ein paar Knochen…“

 

(c) Klaus Enser Schlag