Foto : (c) Heike Diehl

 

 

 

Das geheimnisvolle Paket

 

" Jetzt  sag endlich  was da drin ist ! " wollte Leonie wissen , als ihr Bruder mit einem

Paket unter dem Arm in seinem Zimmer verschwinden wollte .  " Das Weiber immer so

neugierig sein müssen " meinte  der 16jährige Lukas und verdrehte die Augen .

" Ich bin 13 und kein Weib " wehrte sich Leonie . " Außerdem hast du gesagt , dass das

was in dem Paket ist für uns beide sein soll . Also hab ich auch das recht zu erfahren

was es ist , du Vollpfosten !  Warum machst du so ein Geheimnis daraus ?"

" Weil es bis heute Abend ein Geheimnis bleiben soll " sagte Lukas .

"Wenn Papa und Mama weg gefahren und wir alleine sind dann erfährst du es .

Bis dahin musst du dich noch gedulden . " Lukas verschwand in seinem Zimmer  und

schloss die Tür .

 

Leonie rätselte  was wohl in dem Paket sein könnte . Waren es vielleicht PC Spiele oder

neue Gespensterfilme, die sie beide so gerne mochten ?

Es war kurz vor sechs und die Eltern , die zu einer Grillfeier bei Freunden eingeladen waren

und auch über Nacht bleiben wollten , machten sich zurecht .

"Kommt ihr auch klar , ihr Zwei ? " fragte der Vater  .  "  Natürlich , Papi ! "

meinte  Leonie . " Wir sind doch keine Babys mehr " .

"Wo ist eigentlich dein Bruder ? " wollte die Mutter wissen, die gerade aus dem Bad kam .

" In seinem Zimmer " sagte Leonie . " Der hat ein Päckchen bekommen und will nicht

verraten was drin ist - eine Überraschung für heute Abend hat er gesagt .  Neue

Gespensterfilme schätz ich mal " .

"Ihr und eure Geister "  seufzte die Mutter und steckte sich ihre Ohrringe an und wandte

sich dann an ihren Mann : " Bist du fertig, Paul ? "   "  Schon ne ganze Weile , Jutta "

antwortete er . " Wir können  -  Luuukaas , wir fahren jetzt ! " 

Lukas steckte kurz den Kopf aus der Tür . " Viel Spaß euch beiden und sauft nicht soviel "

"Frechdachs ! "  sagte die  Mutter . "   passt bloß auf dass euch der Teufel nicht holt bei

euren Geisterfilmen " schmunzelte der Vater . " Keine Sorge " grinste Lukas .

"ich werd auf mein Schwesterchen schon aufpassen "  " Feiert mal schön "

sagte Leonie .

 

Als die Eltern ins Auto stiegen und weg fuhren , wandte sich Leonie an ihren Bruder :

" Jetzt will ich sofort wissen was in dem Paket ist "   " Okay okay ! " meinte Lukas .

"Bevor du vor Neugier platzt  !  Dann komm mal rein "

Leonie betrat das Zimmer ihres Bruders . Ihr Blick fiel auf ein Brett, das auf dem Tisch

lag . Sie wusste gleich was das für ein Brett war . Sie kannte es aus Geisterfilmen .

"Boah  - ein Hexenbrett ! ist ja geil ! "

Beschreibung vom Quijabrett( Hexenbrett )

 

Auf einem Ouija-Brett sind Zeichen abgebildet, meist das Alphabet, sowie die Ziffern und die Wörter „ja“ und „nein“. Bei manchen Boards stehen zusätzlich Wörter wie „Danke“, „Ich warte“, „Ende“, „Ich gehe“, oder Ähnliches. Zusätzlich gibt es einen Zeiger, der die Zeichen markieren kann. Zur Benutzung soll man die Hände oder Finger auf den Zeiger legen und einige Zeit warten, bis der Zeiger sich auf dem Brett bewegt. Der Führer des Zeigers soll dabei keinen bewussten Einfluss auf die Bewegungen auf dem Brett ausüben. Die markierten Zeichen sollen dann eine Botschaft ergeben. Oft werden diese Botschaften als paranormale Signale interpretiert, die von übersinnlichen Wesen oder Kräften (Geister, Verstorbene) stammen.

(c) kalhh/ Pixabay.de

 

" Und du glaubst man kann damit wirklich Geister herbei rufen ? " fragte Leonie unsicher .

"Das werden wir ja sehn " meinte  Lukas geheimnisvoll . " Ich hab's ja auch selbst noch nicht

aus probiert . " Er griff in die Chipstüte und stopfte sich die Backen voll wie ein Hamster und Leonie

hatte das Gefühl ,sie müssten ihm zu den Ohren wieder rauskommen . 

"Dann lass uns endlich anfangen , Hamsterbacke "  sagte Leonie .  " Nee nee ! " wehrte Lukas gleich

ab . " Da musste schon warten bis elf Uhr . " Die Geister werden erst zwischen elf und drei Uhr nachts

so richtig aktiv - hab ich gelesen . "  Och Mensch ! " meinte Leonie . ihr Bruder strapazierte

ganz schön ihre Geduld .

 

Bis dahin sahen sich die beiden zwei Gespensterfilme an . So verging die Zeit wie im Flug und plötzlich war es elf  Uhr .

Lukas verdunkelte das Zimmer und versorgte die beiden mit Cola .

Dann setzten sich die beiden an den Tisch und legten beide Hände auf das Brett . " Wie das funktioniert weiß ich , hab ich im  Film gesehn "  bemerkte Leonie . " Dann ist es ja gut " sagte

Lukas . " Oder hast du Schiß ? "  " Natürlich nicht ! So ein Quatsch ! "  Leonie wollte es vor ihrem

Bruder nicht zugeben , dass ihr doch ein wenig mulmig war dabei .  Was wenn wirklich ein Geist

erschien ?  Ach nee - ist doch Blödsinn - oder doch nicht ?  Leonie war total unsicher, aber das würde

sie ihrem Bruder nicht auf die  Nase binden .

"ist jemand in diesem Raum ? " fragte Lukas .  " Ist jemand hier der mit uns sprechen möchte ? "

Nichts tat sich .  "  Ist jemand hier ? "   Das fragte er ein paar mal und nach einer Weile sagte

Leonie : " Siehste, also doch Humbug ! "   " Wir müssen Geduld haben " sagte Lukas . " Die reagieren

nicht gleich " 

Noch einmal fragte er . " ist ein Geist hier der mit uns sprechen möchte "

Plötzlich schoß die Planchette, eine Art PC Maus aus Holz , die sich auf dem Brett befand auf JA !

" Es ist jemand hier "  flüsterte Lukas und Leonies Augen weiteten sich .

Aufeinmal erschien an der Wand eine Frauengestalt . Sie war grün und durchsichtig und hatte einen

grimmigen Gesichtsausdruck und böse Augen . Sie schwebte an der Wand .

Leonie stieß einen Schrei aus : " Ach du Scheiße !!! Wer oder was ist das ! ?  wir hätten das lassen

sollen mit diesem dämlichen Brett ! "  Leonie sprang vom Stuhl auf und ging einige Schritte rückwärts.

Warum blieb ihr Bruder nur so ruhig ?  

Plötzlich fiel Leonie beim Zurückgehn über eine Schnur und landete auf dem Hosenboden .

 

Da sah sie einen Beamer , den ihr Bruder unter dem Tisch versteckt hatte . Jetzt begriff sie warum

ihr Bruder so ruhig  geblieben war und wo die " grüne Geisterfrau " herkam .

Als sie das breite Grinsen ihres Bruders sah flippte sie aus ! Sie sprang auf , wie von einer Hornisse

gestochen und riß wütend den Stecker aus der Wand und schon war die Geisterfrau verschwunden .

Diese blöde Planchette hatte Lukas auch selbst auf JA geschoben . Wie konnte sie nur so blöd sein

und darauf reinfallen !!

 

"Du bist so ein blöder Arsch ! " schrie sie ihren Bruder an und warf ihm die Chipstüte an den

Kopf, dass die Chipse nach allen Seiten weg sprangen .

Lukas  fing an zu lachen und wieherte wie ein Pferd . " Mein kleines dummes Schwesterchen glaubt

wirklich an Geister - hihii - ich fasse es nicht ! "

"Arschloch !!! "  schrie Leonie nur . Das war alles was ihr im Moment dazu einfiel .

Sie rannte nach draußen , knallte die Tür ins Schloß . geradewegs in ihr Zimmer , wo sie die Tür

auch mit einem Krach zuwarf .

Lukas saß auf dem Boden und futterte die restlichen Chips auf .

Mann hat die ein Temperament ! dachte er .  War doch eigentlich nur ein harmloser Scherz .

Na ja - die beruhigt sich schon wieder . Den Gedanken ihr nach zu gehn und sich zu entschuldigen

ließ er gleich wieder fallen - es war ihm zu gefährlich, denn  alles mögliche könnte ihm an den

Kopf fliegen . Wenn Leonie in Rage war , dann flog so manches durch die Gegend .

Da wollte er doch lieber eine Weile warten .

Lange noch blieb Leonie wach und dachte darüber nach , über was sie wütender war :

über ihren doofen Bruder , der sie total verarscht hatte oder über sich selbst, dass sie auf den

Blödsinn herein gefallen war.

 

nach einer Weile verzieh sie ihrem Bruder und hatte es auch nicht ihren Eltern verraten und dafür war Lukas seiner Schwester sehr dankbar .

                                       

 

 

(c) Heike Diehl

             Lukas                                            und

                           Leonie


Fotoquelle : (c) Pixabay.de


 

 

Amanda

Kim war so froh , dass sie ihre Sommerferien bei ihren Grosseltern auf Amrum verbringen durfte .

Vor kurzem hatte ihr Opa Ole ein Häuschen auf Amrum gekauft . Er war Kapitän  eines Kreuzfahrtschiffes und genoss jetzt mit Oma Stine das Rentnerleben .

 

Ihre Eltern und ihre grosse Schwester nebst Freund befanden sich gerade auf Malle und darauf  hatte

Die 14jährige Kim überhaupt keine Lust .

Sie liebte den Norden . Den frischen Wind , die Dünen , das Kreischen der Möwen und vor allen Dingen die Insel Amrum mit ihrem herrlichen, feinen , weißen Sand  . Kniepsand würde er hier genannt.

Die Flut hatte eingesetzt und der Wind verpasste den Wellen  weiße Schaumkronen .

 

Es war später Nachmittag  und Kim beschloss zum Haus ihrer Grosseltern zurück zu geh´n. 

Seit Mittag war sie schon am Strand , war durch die Dünen gewandert und hatte am Strand Muscheln gesucht . Am Abend würde sie  mit Opa Ole am Kamin sitzen und er erzählte ihr wieder  eine spannende Geschichte , meistens von Gespenstern  . Oma Stine saß dabei und strickte .

 

Kim faszinierte das Wattenmeer . Wie herrlich muss es aussehen wenn der Vollmond scheint 

dachte sie bei sich . Heute abend war Vollmond und die Ebbe setzte kurz vor Mitternacht ein.

Daran musste Kim denken ,als sie am Abend im Bett lag.

Sie wollte es unbedingt  einmal sehen und war fest entschlossen einen nächtlichen  Spaziergang durch die Dünen zu machen , um  das Wattenmeer bei Mondschein zu erleben .

Nur durften  Opa und Oma nichts davon wissen . Beide hatten einen tiefen Schlaf und würden sicher nicht merken sie sich aus dem Haus schleicht. Das Fenster von Kims Zimmer befand sich hinter dem Haus . Schließlich schlief Kim ein .

 

Als sie erwachte war es halb zwölf.  Sie stand auf , zog sich an und kletterte aus dem Fenster .

Dann machte sie sich auf zum Strand .

Hell schien der Vollmond und verlieh dem Dünengras einen silbernen Schimmer .

Es sah wunderschön aus . Nach einer Weile erblickte sie  den Strand  und das Wattenmeer - vom  Vollmond hell erleuchtet und Kim war es , als hätte jemand Goldstaub  ins Watt gestreut .

Es war ein herrlicher Anblick und Kim war wie verzaubert .

Auf einmal hörte sie jemanden singen . Die Stimme kam aus dem Wattenmeer und klang ziemlich traurig - irgendwie schaurig .

Plötzlich erblickte Kim eine weisse Gestalt - eine Frau im weissen Kleid und ihr langes ,

weißes Haar  wehte im Wind . Sie schien über das Watt zu schweben und das Mondlicht schien durch sie hindurch - sie war durchsichtig - ein Geist !

Kim gefror das Blut in den Adern und sie konnte sich nicht rühren .

Ganz tief  duckte sie sich ins Dünengras , damit die Geisterfrau sie nicht entdeckte .

 

Da erinnerte sich Kim an eine Geschichte , die ihr Opa  Ole  vor einiger Zeit erzählt hatte .

Sie handelte von einer gewissen Amanda , die vor einigen Jahren im Watt ertrunken war und später

als Geist  herumspuken sollte , aber nur in Vollmondnächten . Keiner hatte daran geglaubt . Auch Kim nicht .

Nun hatte sie einen leibhaftigen Geist gesehen- eine Geisterfrau .

So plötzlich   wie die Gestalt auftauchte , so schnell war sie auch wieder verschwunden und auch ihr Gesang verstummte .

 

Noch eine ganze Weile verharrte Kim im Dünengras und konnte einfach nicht glauben was sie gesehen  hatte .

Kurze Zeit später ging sie  zum Haus zurück , kletterte zum Fenster rein und legte sich auf ihr Bett. Lange blieb sie noch wach .

Ihr Blick fiel auf das Fenster und sie dachte Amanda würde zum Fenster hereinschauen  ,

aber es tat sich nichts .

Irgendwann fiel sie in einen tiefen Schlaf .

 Kim beschloss  keinem Menschen davon zu erzählen . Es würde ihr sowieso keiner glauben .

                                                      *

 

Seit ihrer Begegnung mit Amanda war Kim von einer inneren Unruhe befallen .

Amanda ging ihr nicht mehr aus dem Kopf . Sie war einem leibhaftigen Geist begegnet -

Wahnsinn !!!   Opa Ole hatte ihr zwar Geistergeschichten erzählt , glaubte aber

selber nicht an Geisterspuk und hielt das alles für Tünkram , so wie er es nannte .

 

Kim blieb jedenfalls dabei und erzählte niemandem von ihrer nächtlichen Begegnung und ließ

sich auch beim gemeinsamen Frühstück mit den Großeltern nichts anmerken .

Jedenfalls beschloss sie in der folgenden Nacht noch einmal zum Strand zu gehen . Sie war gespannt

ob Amanda wieder erschien .

Kurz vor Mitternacht machte sich Kim  auf den Weg .

Das Wattenmeer glänzte  im Mondlicht , genau wie gestern . 

Kim duckte sich ins tiefe Dünengras, doch von

Amanda war  nichts zu sehn .

Aufeinmal spürte Kim einen kalten Luftzug hinter sich und da stand sie - vielmehr schwebte

über dem Boden - Amanda !  Weiß und durchsichtig. Maßloses Entsetzen ergriff Kim .

War sie ein böser Geist, der sie in ihren Bann ziehen wollte ? Kim konnte sich nicht rühren.

" Ich tu dir nichts " wisperte Amanda .  " Bitte hilf mir !  Bitte !!! "

Kim war zunächst wie gelähmt  . doch  Amandas  trauriger Gesichtsausdruck erzeugte bei Kim 

tiefes Mitgefühl und das Entsetzen und die Angst vor ihr traten in den Hintergrund .

"Wie kann ich dir helfen ? " fragte Kim .

" Ich litt zu Lebzeiten unter Schlaflosigkeit . Ruhelos bin ich herum gewandert .

Einmal hab ich mich im Watt verirrt und bin  schließlich ertrunken . Selbst im  Tod finde ich

keine Ruhe . Du müsstest Weihrauch und Myrrhe anzünden . Den Rauch werde ich

einatmen und dann für immer verschwinden und endlich den ewigen Frieden finden .

Willst du das für mich tun ? Bitte , Kim ! "

"Ich tu´s ! " sagte Kim entschlossen . " Morgen Nacht werde ich hier sein .

Ich helfe dir " .

"Danke " hauchte Amanda . Sie schwebte davon und verschwand im Watt .

 

 

Kim wusste genau , wo sie Weihrauch und  Myrrhe bekam - in Eddas Hexenhäuschen-

ein kleiner Kräuterladen im Dorf .

Gleich am nächsten Morgen machte sich Kim auf den Weg zu Eddas Hexenhäuschen .

"Willst du böse Geister vertreiben ? " fragte die alte Edda scherzhaft , als sie Kim

die Dosen mit dem gemahlenen Weihrauch und der gemahlenen Myrrhe einpackte .

"Ich wills mal probieren , einfach so zum Spaß " sagte Kim nur .  Von Amanda kein Wort .

Edda würde glauben dass sie spinnt .

Am Abend ging Kim früh schlafen und stellte den Wecker auf halb zwölf .

Als er rasselte war Kim schon wach , so aufgeregt war sie .

Sie packte die beiden Dosen , ein feuerfestes Gefäß und Streichhölzer in ihren Korb und

machte sich auf den Weg .

Diesmal war der Mond hinter einer Wolke verschwunden und das Watt sah so richtig gespenstisch aus .Kim setzte sich an den Rand des Wattenmeeres . Sie schüttete den gemahlenen Weihrauch und

die Myrrhe in das feuerfeste Gefäß und zündete es an . Boah - was für ein Gestank !!!

Kim hielt sich die Nase zu .

Plötzlich erschien Amanda  . Sie atmete den Rauch  ganz tief ein .  Nach einer Weile huschte plötzlich ein Lächeln über ihr sonst so trauriges Gesicht .  " Danke ! " hauchte sie Kim zu .

Dann begann sie immer mehr sich in eine Wolke zu verwandeln und plötzlich sah Kim nur noch eine

Nebelwolke über das Watt schweben , die immer höher stieg .

Lange blieb Kim  noch da stehen . Sie konnte noch gar nicht richtig begreifen was sie

hier erlebt hatte .

"Was in aller Welt machst du hier ? "   Die Stimme von Opa Ole ließ sie herum fahren .

"Mensch Opa ! Hast du mich erschreckt ! " meinte Kim .  " du hast mir so viele Geistergeschichten

erzählt , da wollte ich mal ausprobieren wie man Geister vertreibt . Könnte doch sein , dass

hier welche rum spuken . "  Ich seh hier nur ein Gespenst und das ist ziemlich lebendig "

sagte Opa Ole und schmunzelte . " Ideen hast du .  Nachts hier in den Dünen rum laufen !

Ich hab dich weg gehen sehen und als du nicht gleich zurückkamst da  hab ich mir Sorgen

gemacht . Oma Stine hat einen tiefen Schlaf , sie hat nix mit gekriegt .

Nu aber ab nach Hause " . Die beiden traten den Heimweg  an .

Opa Ole drehte sich noch einmal um und blickte zum Wattenmeer. Er erblickte die Nebelwolke .

" Siehst du , Kim . Seenebel steigt auf . Der ist gefährlich . Da hat sich schon so mancher

verirrt und ist ertrunken . "

Kim lächelte nur . Sie wusste es besser .  Amanda hatte endlich ihren ersehnten Frieden gefunden .

 

                                            (c) Heike Diehl

 

 


 

Der Tausch

 

Für wen mach ich das hier eigentlich ? „ seufzte Jennifer und warf ihren Bleistift auf den

Notizblock . Sie saß in ihrem Zimmer am Schreibtisch und hatte gerade ein Gedicht fertig

geschrieben – eins von vielen wofür sich zuhause kein Schwein interessierte .

 

Papa nicht , Mama nicht und ihre beiden älteren Brüder schon gar nicht .

Sie alle konnten mit Fantasie nicht viel anfangen und waren anscheinend viel zu

geerdet „

„ Nicht dass du noch den Bezug zur Realität verlierst „ hatte ihr Vater gesagt .

Dafür sorgt ihr schon „ hatte Jenny darauf geantwortet und war in ihr Zimmer

verschwunden . Kann man denn nicht wenigstens mal für ein , zwei Stunden in die Welt

der Fantasie eintauchen um den Alltag mal für eine Weile zu vergessen ?

Was ist daran verkehrt ? Gar nichts !

 

Jenny dachte gerade an ihren Opa , den einzigen Poeten in der Familie . Er starb als sie

vier Jahre alt war, das war vor acht Jahren .

Als er starb waren auch seine Gedichte verschwunden und kein Mensch wußte wo sie

geblieben waren. Schien auch niemanden zu kümmern .

Jenny hätte zu gerne Gedichte von ihrem Opa gelesen und er hätte sich mit Sicherheit für ihre

interessiert . Auch ihre Oma zeigte kein Interesse an ihren Gedichten .

Die war eh kaum zuhause und reiste viel in der Welt herum .

 

 

Wie gerne hätte sie von ihrer Familie mal gehört , welches Gedicht schön und welches weniger schön war – aber nichts - null Reaktion und Interesse !

Sie war sehr traurig darüber .

Ob es Opa genauso ging ? dachte sie . Damals war sie noch zu klein und konnte noch keine Gedichte

lesen und jetzt waren sie nicht mehr da – Mist blöder !

 

Jennifer beschloss noch einmal nach draußen zu gehen um frische Luft zu schnappen .

Es war September und zu kühl geworden um abends draußen zu sitzen . Es war Vollmond .

Die Eltern saßen vor der Glotze und ihre beiden großen Brüder , 14 und 16 ,bei Freunden .

 

 

Jennifer schlenderte, mit ihrer Gedichtemappe unter dem Arm geradewegs zu Opas Gartenlaube.

Hier hatte Opa oft gesessen und geschrieben .

Jennifer setzte sich in einen der Korbstühle die in der Laube standen und ließ ihre Gedanken kreisen .

Plötzlich war ihr, als spüre sie einen eiskalten Luftzug, als wenn jemand in einer warmen Stube

ein Fenster öffnete . Wind kam auf und es wurde neblig – so plötzlich , dass es Jenny richtig unheimlich wurde .

Auf einmal sah sie eine Wolke die sich immer tiefer herabsenkte . Immer tiefer und schließlich

auf dem Rasen im Garten landete und auf der Wolke saß ihr Opa – ganz weiß von Gestalt und durchsichtig und hatte ein langes weißes Hemd an .

Das konnte doch nicht sein ! Dachte Jenny und rieb sich die Augen . Träumte sie ?

 

Hallo Jenny „ sagte ihr Opa . „ Groß bist du geworden . Du möchtest also meine Gedichte

lesen ? Das freut mich sehr . Als ich noch lebte , da ging es mir genau wie dir . Ich habe aber niemals den Spaß am dichten nehmen lassen und hab gedacht ihr könnt mich alle mal . „

Jenny starrte immer noch ungläubig ihren Opa an . „ Bist du´ s wirklich ? „

Aber ja „ sagte Opa . „ Ich hab was für dich , komm zu mir „ Er überreichte ihr eine

dicke Mappe . Seine Hände waren eiskalt , aber das war Jenny egal . Sie ahnte was sich in der Mappe befand und so war es auch – Opas Gedichte !

„ Ich werd verrückt ! „ rief sie erfreut . „ Das ist ja , das ist ja - aber woher weißt du ? „

 

Ich kriege da oben alles mit was hier unten so abgeht und jetzt möchte ich gerne deine Gedichte lesen . Ich tausche deine gegen meine „ Glücklich überreichte sie ihrem Opa ihre Mappe .

„ In der nächsten Vollmondnacht komme ich wieder und sage dir wie mir deine Gedichte gefallen haben und du sagst mir wie dir meine gefallen haben „ Er schlug eine Seite in Jennys Mappe auf .

„ Wenn die so lustig sind wie das hier – höhööö- hihi – dann geht im Himmel die Post ab und die Engel da oben haben was zu kichern „ „ Denke schon das ihr Spaß haben werdet da oben „ lachte Jenny.

„ Ich bin schon so gespannt auf deine Gedichte . Ich werde früh zu Bett gehen und werde sie lesen.

Ich freu mich schon so drauf „

„ Na dann bis in vier Wochen „ sagte Opa . „ Ich muss jetzt schnell wieder hoch , sonst ist das

Himmelstor zu , Petrus nimm das sehr genau und lässt nach neun Uhr niemanden mehr rein .

Also bis dann „ die Wolke erhob sich in die Luft und die beiden winkten sich zu ,

bis die Wolke ganz am Himmel verschwand .

Nun war Jennifer so richtig glücklich und zufrieden und konnte nicht schnell genug ins Bett

kommen , um in Ruhe Opas Gedichte zu lesen .

Ein wenig später hörte sie von ganz oben aus einer Wolke ein Kichern . Jenny schmunzelte .

Anscheinend hatte sich ihr Opa über ihre Gedichte köstlich amüsiert .

 

 

© Heike Diehl 

* jetzt wo man in der Gedichtesammlung auch Kurzgeschichten einstellen kann , dachte ich mir

   ich probiers mal  hier mit .


Kommentar von Ralph Bruse zum Gedicht

 

RALPH BRUSE 
09. Juli 2018 @ 19:49

Gut probiert.
Wie der Opa auf/mit der Wolke landet, das fand ich ne wirklich prima Idee. Verspielt und zum
Wiehern zugleich.
Hab eigentlich auch nix zu meckern, Heike. Man merkt, daß Du die Geschichte nicht mal
eben so auf die Schnelle hingeballert hast, sondern genau auf Worte und Sätze geachtet
hast. Und daß Du auch mal was Anderes hinkriegen wolltest. Die Rubrik ist auch goldrichtig -
wobei Kindergedichte (Geschichten) nie kinderleicht zu schreiben sind, wie manche Schlaumeier meinen.
Kurzum: Versuch geglückt, Affe nicht tot - und Opi auch nicht ganz)))
Ab dafür.

Ahoi Ralph


 

Quark im Sarg

 

Irgendwo in England , in einer verlassenen Burg , da lebten zwei Vampire .

Sie waren  ganz normale Blutsauger , aber in keinster Weise mit dem

ollen Dracula verwandt und auch nicht ganz so blutrünstig wie der bereits

längst verblichene Graf. .

Mortimer , so hieß einer von beiden , war der resolutere , während sein Partner Stanley

etwas zarter besaitet war .

Wie alle Vampire schliefen sie tagsüber in ihren Särgen und abends , sobald es dunkel

wurde , gingen die beiden auf „ Beißtour „ .

So auch an diesem Abend.

Mortimer schlug den direkten Weg zum Dorf ein , während

sein Partner eine andere Richtung wählte . „ Wo willst du denn hin , kommst du

nicht mit ? „ fragte Mortimer verwundert . „ Nö – ich geh diesmal woanders hin „

meinte Stanley geheimnisvoll . „ Wir treffen uns zuhause „

„ Wie du meinst „ sagte Mortimer etwas irritiert und zuckte die Schultern .

„ Ich geh beißen – ich hab Kohldampf ! „ Weg war er !

 

„ Na dann wollen wir mal „ sagte Stanley und nahm den direkten Weg zu einem

Bauernhof, den er gestern entdeckt hatte .

Um nicht erwischt zu werden , verwandelte sich Stanley in eine Fledermaus und nahm

erst wieder Gestalt an , als er in der Vorratskammer vom Bauernhof angekommen war .

„ Prima .- keiner da ! „ rief Stanley und rieb sich die Hände, als er die vielen

Behälter voller Quark erblickte , den der Bauer in Massen herstellte .

 

Stanley öffnete einen Behälter , langte mit seinen dünnen Fingern hinein und schlabberte

genüßlich den Quark von seinen Fingern ab . „ Hmmm – saulecker das Zeug !

Warum hab ich bisher nur Blut gesaugt . Ich werde von nun an nur noch Quark essen .

Den Pott hier nehm ich mit- is ja noch genug da und noch einen für morgen -

hihihihiii !!! „

Mit den zwei Pötten unter den Armen trat er den Heimweg an .

 

Stanley war noch vor Mortimer zuhause . Er legte sich in seinen Sarg mit den zwei

Quarkpötten und ließ sich das Zeug so richtig schmecken .

Bald darauf kehrte Mortimer missmutig zurück .

Stanley öffnete seinen quietschenden Sargdeckel . „ Boah – kannst du das Ding nicht

mal ölen ? Da kriegt man ja Tinnitus bei dem Gequietsche ! „ „ Warum bist du so

angefressen ? „ fragte Stanley . Er hatte sich bis hinter die Ohren beschmiert mit Quark .

„ Nicht genug gebissen ? „ „ Ich hab überhaupt nix gebissen ! „ sagte Mortimer gereizt .

„ Ich traf eine ganze Gruppe Menschen . Erstens waren die alle besoffen -

voll wie die Eimer und dann müssen die tonnenweise Knoblauch gefressen haben .

Mir war speiübel von dem Gestank dass mir der Appetit verging .“

 

Hier , probier doch mal „ sagte Stanley  und reichte Mortimer ein

Schälchen mit Quark . „ Was in drei Teufels Namen ist das für´ n Zeug ? „ fragte Mortimer . 

Quark !„ „ Hää – Quark ? „ fragte Mortimer und starrte mißtrauisch auf das weiße

Zeug in dem Schälchen . „ Sowas ißt du ? „ „Warum denn nicht ! „

sagte Stanley . „ Hab ich gestern entdeckt auf dem alten Bauernhof und hab´ s

probiert . Blut saugen war gestern – es lebe der Quark ! „

„ Du spinnst doch total ! „ rief Mortimer aus . „ Ein Vampir der kein Blut saugt ist kein

richtiger Vampir ! „ „ Blödsinn ! „ meinte Stanley . „ Probier doch wenigstens mal „ .

Ganz vorsichtig mit einer Fingerspitze langte Mortimer in den Quarkpott und probierte .

Eine Weile sagte er nix ! „ na wie sieht´ s aus – schmeckt´ s ? „ fragte Stanley ungeduldig .

Das gibt´ s ja nicht – das Zeug schmeckt ja saulecker ! „ Mortimer war begeistert .

„ Du hast recht ! Scheiß auf ´ s Blut . Von jetzt an mampfen wir Quark ! „

Stanley strahlte . „ Siehste – sag ich doch ! „

 

Von da an gab es bei den beiden nur noch Quark und der Bauer wunderte sich dass der

Quark so schnell ab nahm, fand aber niemals heraus warum .

Mortimer und Stanley waren viel zu gewitzt um sich erwischen zu lassen .

 

Mit der Zeit verschwanden ihre spitzen Vampirzähne und wurden zu ganz normalen

Hauerchen und sie bekamen so richtige Milchgesichter.

Eines konnten sie immer noch - sich in Fledermäuse verwandeln …

… und jetzt ist Schluss mit dem Quark!!!

 

Ende

 

© Heike Diehl

 


 

 

Unheimliche Begegnung

 

Gestern Abend kam ich total erschöpft von der Arbeit nach Hause .

Ich öffnete die Tür und drückte im Flur auf den Lichtschalter - 

es blieb dunkel !  Scheibenkleister !!! Schon wieder ne Birne kaputt !

Glücklicherweise stand neben der Tür auf der Kommode immer eine

Taschenlampe – so auch diesmal .Während ich nach der Lampe tastete ,

stieß ich die Blumenvase um und sie klatschte auf den Boden und

zerbarst in tausend Scherben- Macht nix ! dachte ich . Potthäßlich war sie -

genau wie Tante Frieda ., die sie mir zum Geburtstag geschenkt hatte

und die ich überhaupt nicht leiden konnte , Sie war eine falsche Schlange .

Endlich erwischte ich die Taschenlampe und knipste sie an .

Dann stieg ich die Treppe hinauf

, denn oben im ersten Stock befand sich der Schaltkasten .

Ich verfehlte die erste Stufe und fiel auf Knie – Aua !!! Scheißabend – echt wahr !

 

Plötzlich hörte ich ein Geräusch - ein ganz leises  wimmern . Was war das ?

Da sah ich im Lampenschein  zwei funkelnde Augen und ein weit

aufgerissenes Maul mit zwei spitzen Zähnen  - ein Vampir ? Das konnte doch

nicht sein - die gibt es doch gar nicht !  Oder doch ?

Das Wesen kam direkt auf mich zu und starrte mich an  -

 

es hatte Hunger – mein Katerchen ! 

Text und Foto : (c) Heike Diehl


 

 

Gespensterbäume

 

Der Wald . Was für ein herrlicher Ort . Hier konnte man entspannen und ganz tief Luft holen .

Immer wenn ich zur Ruhe kommen möchte , geh ich in den Wald - so wie heute nach einem

stressigen Tag .  Ich genoß  so richtig die Einsamkeit und die  Stille .

Nur ein paar Vogelstimmen waren zu hören und ab und zu knisterte und knackte es

irgendwo .

Auf einmal   sah ich von Weitem etwas  , was ich zunächst nicht definieren

konnte . Als ich näher kam sah ich ein komisches Wesen , das aussah wie ein

Wurzelzwerg . Das gibt´ s doch nicht ! dachte ich bei mir . Hatte ich Halluzinationen ?

 

"Was glotzt du mich so an ! " krächzte der Zwerg auf einmal . " Haste noch nie einen

Baumwichtel gesehn ? Wo willst du überhaupt hin ? "  " Ich geh spazieren " sagte

ich . " Was dagegen ?  "    " Kehr um ! " rief der Baumwichtel plötzlich und fuchtelte

mit seinen dünnen Zweigen , was seine Arme waren , wild in der Luft herum .

" Dahinten sind Gespensterbäume ! Die packen dich mit ihren langen , dürren Ästen und

lassen dich nicht mehr los . "   " Ich zeigte ihm einen Vogel . " Du willst mich wohl

veräppeln ! Ich glaub dir kein Wort . "  

Ich ging einfach weiter , ohne den Baumwichtel weiter zu beachten . 

Das hätte ich lieber nicht tun sollen ......

 

Es wurde auf einmal viel kälter . Kein Vogel war  mehr zu hören. Nur eine Eule saß auf einem

Ast und starrte mich an . Eine Eule am Tag ? Sehr ungewöhnlich und irgendwie unheimlich .

Nebel stieg plötzlich vom Boden auf . Leise Stimmen waren zu hören - ein Raunen , ein

Wispern , ich konnte aber kein Wort verstehen und wusste auch nicht woher die 

Stimmen kamen . Panische Angst ergriff mich . Hätte ich doch nur auf den  Baumwichtel gehört !

 

Schemenhaft sah ich einen  alten knorrigen Baum und in dem Stamm eine häßliche

Fratze , die mich unentwegt anstarrte   und fing an zu reden: " Ich krieg dich -

ich pack dich ! "   Ich erstarrte zur Salzsäure und konnte mich kaum bewegen . Wie

gelähmt war ich  vor Entsetzen ...

Da - noch ein Baum mit Fratze und da - noch einer !

"Wir kriegen dich - wir packen dich ! " zischte einer der Bäume mit einer Grabesstimme,

die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ .

Nix wie weg hier !  dachte ich und wollte fliehen .

Plötzlich fuhr ein Baum einen langen , dünnen Ast aus und schlang ihn mir um den Hals .

"Ich krieg dich - ich  pack dich ! " zischte der Baum und fing an höhnisch zu lachen .

Ich bekam keine Luft mehr und sank zu Boden .....

 

Als ich erwachte saß ich vor meinem Bett mit einem Brummschädel.

Ich musste mich irgendwo gestoßen haben bei diesem Albtraum .

 

(c) Text und Foto : Heike Diehl